Rückblick auf ein Seminar- und Workshopformat mit jungen politisch interessierten Menschen

Die oezpa-group hat im Auftrag einer Stiftung ein Seminar- und Workshopformat zum Thema „Organisationen verstehen – Moderation für politische Transformation“ durchgeführt. Teilgenommen haben 15 junge, politisch interessierte Menschen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren, die im Rahmen eines längerfristigen Entwicklungsprogramms regelmäßig in Seminaren und Workshops begleitet wurden.

Das Format verband Vortrag, Workshop, Reflexion, Gruppenarbeit und praktische Moderationsübungen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie junge Menschen politische und gesellschaftliche Veränderungsprozesse besser verstehen, moderieren und verantwortungsvoll mitgestalten können. Dabei ging es nicht nur um politische Inhalte, sondern vor allem um Organisationen als soziale Systeme: um Rollen, Macht, Kommunikation, Gruppendynamik, Konflikte, Beteiligung und Veränderung.

Warum dieses Thema wichtig war

Politische Transformation braucht mehr als gute Argumente. Sie braucht Menschen, die Organisationen verstehen, Gruppenprozesse wahrnehmen, Interessen einordnen, Spannungen moderieren und Veränderung verantwortungsvoll begleiten können. Gerade junge Menschen, die sich politisch engagieren, bewegen sich früh in komplexen sozialen Systemen: in Jugendorganisationen, Parteien, Stiftungen, Schulen, Initiativen, Verbänden oder zivilgesellschaftlichen Projekten.

Im Seminar wurde deutlich: Viele junge Menschen bringen hohe Motivation, klare Werte und große Veränderungsenergie mit. Gleichzeitig erleben sie schnell, dass gute Ideen allein nicht ausreichen. In Organisationen wirken Rollen, Hierarchien, informelle Macht, unausgesprochene Erwartungen, emotionale Dynamiken und unterschiedliche Interessen zusammen.

Genau hier setzte der organisationscoachingorientierte Ansatz der oezpa-group an. Organisationen wurden nicht nur als formale Strukturen betrachtet, sondern als lebendige soziale Systeme. Die Teilnehmenden lernten, politische Transformation nicht nur über Inhalte, Forderungen und Positionen zu denken, sondern auch über Prozesse, Beziehungen, Rollenklärung und Moderation.

Der Beitrag der oezpa-group

Die oezpa-group brachte in dieses Format ihre langjährige Erfahrung in Organisationsentwicklung, Change Management, Executive Coaching, Gruppendynamik und politischer Bildung ein. Besonders wertvoll war dabei der biografische und professionelle Hintergrund von Dr. Hüseyin Özdemir.

Dr. Özdemir konnte an eigene Erfahrungen in der politischen Jugendarbeit anschließen. Dazu gehörten unter anderem seine Mitarbeit im Haus Balchem in Köln, einem Projekt der Stadt Köln zur politischen Bildung junger Menschen, seine Erfahrungen in der Jungen Union, Seminare im Umfeld der Konrad-Adenauer-Stiftung, seine gewerkschaftliche Arbeit im Deutschen Gewerkschaftsbund und in der Deutschen Postgewerkschaft sowie seine Funktion als Vorsitzender der Jugendvertretung des Fernmeldeamts 2 der Deutschen Bundespost.

Hinzu kamen Erfahrungen als Stipendiat und Auswahlausschuss-Mitglied der Hans-Böckler-Stiftung sowie internationale Bildungsarbeit, unter anderem mit jungen Stammesführern im Amazonas-Gebiet in einem sozial-politischen Projekt im Umfeld der London School of Economics (LSE) und der ESAN Universität.

Diese persönliche Anschlussfähigkeit war für die Arbeit mit den jungen Teilnehmenden bedeutsam. Der Trainer-Coach sprach nicht nur aus einer professionellen Beratungsrolle heraus, sondern auch aus eigener Erfahrung mit Jugendpolitik, gesellschaftlichem Engagement, politischer Bildung, Mitbestimmung und Organisation.

Ergänzt wurde dies durch akademische und praktische Expertise: Dr. Özdemir war Universitäts-Professor für Führung und Digitale Transformation mit Schwerpunkt Organisation, Change Management und Transformation an der Universität der Künste Berlin, Studiendekan für Strategisches Human Resources Management an der Hochschule Fresenius in Köln sowie Gastprofessor an nationalen und internationalen Hochschulen, unter anderem in Indien, den USA, Großbritannien, Peru, Deutschland und der Schweiz. Hinzu kommt seine langjährige Praxis als interner Vorstandsberater bei Bayer-Schering sowie als externer Organisationsberater und Executive Coach mit Anerkennungen im Kontext von DBVC, IOBC und ICF.

Zielsetzung des Seminars

Ziel des Seminars war es, die politische Wirksamkeit der jungen Teilnehmenden zu stärken. Sie sollten lernen, Organisationen nicht nur aus der Perspektive von Programmen, Forderungen und politischen Überzeugungen zu betrachten, sondern auch aus der Perspektive von Rollen, Interessen, Entscheidungsprozessen, Machtverhältnissen und Gruppendynamiken.

Im Mittelpunkt standen mehrere Lernziele:

• Organisationen als soziale, politische und emotionale Systeme verstehen

• eigene Rollen in Gruppen, Projekten und politischen Kontexten reflektieren

• Kommunikations- und Moderationskompetenz für politische Transformationsprozesse entwickeln

• Konflikte, Widerstände und Gruppendynamiken besser einordnen

• Beteiligung, Dialog und Verantwortung in Veränderungsprozessen fördern

• politische Anliegen glaubwürdig, klar und anschlussfähig vertreten

• zwischen Überzeugungskraft, Manipulation, Polarisierung und demokratischem Dialog unterscheiden

• Transformation als Prozess verstehen, der nicht nur inhaltlich, sondern auch emotional und sozial gestaltet werden muss

Eingesetzte Methoden

Das Seminar arbeitete mit einer Kombination aus fachlichem Input, erfahrungsorientiertem Lernen und Reflexion. Die Teilnehmenden sollten Organisationen nicht nur theoretisch verstehen, sondern organisationale Dynamiken im Seminar selbst erleben, beobachten und auswerten.

Eingesetzt wurden unter anderem folgende Methoden:

• Impulsvorträge zu Organisation, Rolle, Macht, Veränderung und politischer Transformation

• Praxisfälle aus Schule, Jugendorganisationen, Initiativen, Stiftungsarbeit und politischem Engagement

• Moderationsübungen zu kontroversen politischen und gesellschaftlichen Themen

• Reflexion von Gruppenprozessen im Hier und Jetzt

• Rollenanalyse: Welche Rolle nehme ich ein, welche Rolle wird mir zugeschrieben, welche Verantwortung gehört wirklich zu mir?

• Stakeholder-Analyse: Wer ist betroffen, wer entscheidet, wer hat Einfluss, wer wird übersehen?

• Arbeit mit dem BART-Modell: Boundaries, Authority, Role, Task

• Grundlagen des Adaptive Leadership nach Ronald Heifetz, insbesondere die Unterscheidung zwischen technischen und adaptiven Herausforderungen

• Dialogische Übungen zu aktivem Zuhören, Nachfragen, Perspektivwechsel und Konfliktmoderation

• Peer-Coaching in Kleingruppen

• Transferarbeit für eigene politische Projekte, Initiativen und Engagementfelder

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Verbindung von Selbstreflexion und Systemverständnis. Die Teilnehmenden lernten, dass politische Wirksamkeit nicht nur von klarer Haltung abhängt, sondern auch von der Fähigkeit, soziale Situationen zu lesen, Spannungen auszuhalten und Verständigung zu ermöglichen.

Beobachtete Herausforderungen

Im Verlauf des Seminars wurden mehrere typische Herausforderungen junger politisch engagierter Menschen sichtbar. Viele Teilnehmende verfügten über hohe Motivation, klare Werte und den Wunsch, gesellschaftlich etwas zu bewegen. Gleichzeitig zeigte sich, dass der Umgang mit organisationaler Komplexität, Hierarchien und unterschiedlichen Interessen anspruchsvoll ist.

Besonders deutlich wurden folgende Herausforderungen:

• hoher Veränderungswille bei gleichzeitig begrenzter formaler Entscheidungsmacht

• Spannung zwischen idealistischem Anspruch und organisationaler Realität

• Unsicherheit im Umgang mit Hierarchie, Autorität und etablierten Strukturen

• emotionale Aufladung politischer Themen

• Tendenz zur schnellen Bewertung anderer Positionen

• Schwierigkeit, Konflikte zu moderieren, ohne selbst in Polarisierung zu geraten

• mangelnde Erfahrung mit informeller Macht und Interessenlagen

• Unsicherheit in der eigenen Rolle innerhalb von Gruppen

• hoher Anspruch an die eigene politische Wirksamkeit

• Enttäuschung, wenn Veränderung langsamer verläuft als erwartet

• Herausforderung, persönliche Betroffenheit und professionelle Moderationsrolle voneinander zu unterscheiden

Diese Herausforderungen wurden nicht als Defizite verstanden, sondern als Lernmaterial. Gerade darin lag die Stärke des Formats: Die Teilnehmenden konnten ihre eigenen Erfahrungen einbringen und gemeinsam reflektieren, wie politische Transformation in realen Organisationen tatsächlich verläuft.

Zentrale Lernerfahrungen

Eine wichtige Lernerfahrung bestand darin, Organisationen nicht vorschnell als „gut“ oder „schlecht“, „fortschrittlich“ oder „blockierend“ zu bewerten. Stattdessen lernten die Teilnehmenden, genauer hinzuschauen: Welche Aufgabe hat eine Organisation? Welche Rollen gibt es? Wer hat formale Autorität? Wo entstehen informelle Einflussstrukturen? Welche Grenzen sind sichtbar, welche unausgesprochen? Welche Konflikte werden offen geführt und welche verdeckt?

Durch die Arbeit mit dem BART-Modell konnten die jungen Menschen verstehen, dass Organisationen über Grenzen, Autorität, Rollen und Aufgaben gesteuert werden. Dieses Modell half ihnen, konkrete Situationen aus ihrem Engagement besser zu analysieren.

Die Beschäftigung mit Adaptive Leadership zeigte außerdem, dass viele politische und gesellschaftliche Herausforderungen nicht einfach technisch zu lösen sind. Es reicht nicht, einen Plan zu haben oder eine schnelle Lösung zu präsentieren. Häufig geht es um Werte, Identität, Verlustängste, Zugehörigkeit, Macht und neue Lernprozesse. Genau diese adaptiven Herausforderungen brauchen Dialog, Beteiligung und gute Moderation.

Ergebnisse des Seminars

Am Ende des Seminars verfügten die Teilnehmenden über ein deutlich erweitertes Verständnis von Organisationen und politischen Veränderungsprozessen. Sie konnten besser einordnen, warum Menschen unterschiedlich auf Veränderung reagieren, warum Konflikte in Gruppen entstehen und wie Moderation dazu beitragen kann, Komplexität produktiv zu bearbeiten.

Die wichtigsten Ergebnisse waren:

• gestärkte Moderationskompetenz in politischen und organisationalen Kontexten

• besseres Verständnis für Rollen, Aufgaben, Grenzen und Verantwortung

• mehr Sicherheit im Umgang mit kontroversen Positionen

• differenzierterer Blick auf Macht, Einfluss und Beteiligung

• höhere Sensibilität für Gruppenprozesse und unausgesprochene Dynamiken

• klarere Kommunikation eigener Anliegen

• stärkeres Bewusstsein für demokratische Dialogkultur

• bessere Fähigkeit, zwischen Inhaltsebene und Prozessebene zu unterscheiden

• mehr Selbstreflexion in Bezug auf die eigene Rolle im politischen Engagement

• konkrete Transferideen für eigene Projekte, Initiativen und Organisationen

Besonders wertvoll war die Erkenntnis, dass politische Transformation nicht nur durch Überzeugung entsteht, sondern durch Prozesskompetenz. Wer Veränderung gestalten will, muss Menschen beteiligen, Spannungen moderieren, Widerstände verstehen und Räume schaffen, in denen neue Perspektiven entstehen können.

Bedeutung für die Stiftung

Für die Stiftung leistete das Format einen wichtigen Beitrag zur politischen und persönlichen Entwicklung junger Menschen. Es ging nicht nur um klassische politische Bildung, sondern um die Förderung organisationaler, kommunikativer und demokratischer Handlungskompetenz.

Die Teilnehmenden wurden darin gestärkt, gesellschaftliche Veränderung nicht nur über Meinungen und Positionen zu denken, sondern über Verantwortung, Dialog, Moderation und Systemverständnis. Damit entstand ein Lernraum, in dem junge Menschen ihre politische Haltung mit professioneller Prozesskompetenz verbinden konnten.

Die Zusammenarbeit mit der oezpa-group erwies sich dabei als besonders passend, weil biografische Glaubwürdigkeit, politische Bildungserfahrung, internationale Perspektive, akademische Expertise und langjährige Organisationscoaching-Praxis zusammenkamen. Die Teilnehmenden konnten erleben, dass politische Entwicklung, persönliche Biografie und professionelle Organisationsarbeit miteinander verbunden sein können.

Auf den Punkt gebracht

Das Seminar „Organisationen verstehen – Moderation für politische Transformation“ war mehr als ein Training zu Moderationstechniken. Es war ein intensiver Lernraum für junge Menschen, die politische Verantwortung übernehmen wollen.

Die Teilnehmenden lernten, dass Transformation nicht nur durch Forderungen, Programme oder gute Argumente entsteht. Veränderung braucht Menschen, die Organisationen verstehen, Gruppenprozesse wahrnehmen, Konflikte moderieren, unterschiedliche Perspektiven integrieren und demokratische Dialogräume gestalten können.

Die oezpa-group verband in diesem Format Organisationscoaching, Change Management, politische Bildung, Gruppendynamik und Leadership Development. Dadurch entstand ein praxisnahes und zugleich tiefgehendes Lernangebot, das junge Menschen darin stärkte, Organisationen nicht als starre Apparate zu erleben, sondern als gestaltbare soziale Systeme.

Genau darin lag der zentrale Mehrwert des Seminars: Junge politisch interessierte Menschen wurden befähigt, politische Transformation nicht nur zu fordern, sondern verantwortungsvoll zu moderieren und mitzugestalten.

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